BOTSCHAFT DER GEHEILIGTEN BISCHOFSSYNODE AN KLERUS; MÖNCHSSTAND UND ALLE GLÄUBIGEN KINDER DER RUSSISCHEN ORTHODOXEN KIRCHE

Die Bischofssynode, die am 2. und 3. Februar 2016 in Moskau stattfand, wandte sich an Klerus, Mönche und alle gläubigen Kinder der russischen orthodoxen Kirche. Die Botschaft lautet wie folgt.

Im Herrn geliebte allehrwürdige Väter, gottragende Mönche und Monialinnen, liebe Brüder und Schwestern:

Die geheiligte Bischofssynode, die in Moskau am 2. und 3. Februar 2016 tagte, sendet Ihnen allen den apostolischen Gruß – Gnade, Erbarmen und Friede von Gott, unserm Vater, und unserm Herrn Jesus Christus sei allezeit mit Euch!

Das Wort des Herrn, daß alle eins seien, ist heute von besonderer Bedeutung, da die Welt immer mehr unter Spaltungen leidet. Der hl. Paulus ruft uns auf und spricht: Ich ermahne aber euch, Brüder, durch den Namen unsers Herrn Jesus Christus, daß ihr alle einmütig redet und keine Spaltungen unter euch seien, sondern daß ihr in demselben Sinn und derselben Meinung vollkommen zusammengefügt seiet. Es ist Verpflichtung eines jeden rechtgläubigen Christen, sei es ein Bischof, ein Kleriker, ein Mönch oder ein Laie, sich um den Erhalt der kirchlichen Einheit zu mühen.

Diese Einheit ist - unter anderm – durch die Synoden sichtbar geworden, von der ersten Apostelsynode an. Diese Worte: denn es hat dem Heiligen Geist und uns gefallen, standen den Entscheidungen dieser ersten Synode voran. Gegenwärtig wird eine panorthodoxe Synode vorbereitet. An ihr sollen Bischöfe aller allgemein anerkannten autokephalen orthodoxen Kirchen teilnehmen. Auf Kreta soll sie am Fest der heiligen Pfingsten eröffnet werden. Die Hierarchen, die die russische orthodoxe Kirche vertreten, werden in Übereinstimmung mit der Wahrheit Christi und der ungebrochenen patristischen Überlieferung, die unsre Kirche seit mehr als einem Jahrtausend bewahrt hat, in Gemeinschaft mit den Vertretern der andern orthodoxen Landeskirchen Antworten finden müssen auf die Fragen, denen sich die Gesamtheit der Orthodoxie heute gegenübersieht.Wir bitten um Euer inständiges Gebet, daß der Herr den Teilnehmern der kommenden Großen Heiligen Synode seinen heiligen Willen offenbare und sie sein Werk wirke zur Verherrlichung Gottes und zum Wohle der weltweiten orthodoxen Familie, ihre Einheit festige und
unsern heiligsten Glauben rein erhalte.

Das unauflösliche Band zwischen der himmlischen und der irdischen Kirche wurde sichtbar durch die Kanonisation Erzbischof Seraphims (Sobolew, 1881 – 1950) von Bogutschar durch die gegenwärtige Bischofssynode. Erzbischof Seraphim tat seinen Dienst in Bulgarien, wo er seinen irdische Pilgerweg beendete. Dieser Heilige hat ein Beispiel gerechten Lebens und inbrünstiger, ungeheuchelter Liebe zu seiner Herde gegeben und ist von Gott verherrlicht worden: zu seinen Lebzeiten durch Gnadengaben und nach seinem Entschlafen durch Wunderzeichen. Mit den folgenden Worten, wohlgegründet, kraftvoll und überzeugend, hat er die Notwendigkeit betont, den rechten Glauben mit Hingabe zu bewahren:
Ein Wesenszug der Kirche ist die Unwandelbarkeit ihrer dogmatischen und ethischen und kirchrechtlichen Lehre, die in Gott selbst ihren Ursprung hat, unserm Herrn Jesus Christus.
Es ist diese Unwandelbarkeit der Lehre der orthodoxen Kirche, die den apostolischen Glauben in all seiner Reinheit bewahrt hat, die sie von allen anderen christlichen Bekenntnissen unterscheidet.
Durch dies Bewußtsein wird die russische orthodoxe Kirche immerfort geleitet.

Voller Freude darüber, daß das Gottesvolk immer größere Verehrung hegt für die Knechte Christi, hat die Geheiligte Synode ihren Segen zur Verehrung solcher Heiliger in der gesamten Kirche gegeben, die bislang nur örtlich kanonisiert waren, unter ihnen der Leiderdulder Eugen (Jewgenij Botkin), der Arzt, der gemeinsam mit den Zaren-Leiderduldern gestorben ist. Seine Verehrung in der ganzen Kirche gewinnt heute besondere Gewicht, da die Kirche die wirklichen Umstände des Todes der Zaren- Leiderdulder zu ergründen bemüht ist.

Jüngst hat eine neue Phase der Untersuchungen der sterblichen Überreste, die in Ekatherinburg gefunden wurden, begonnen. Die Bischofssynode besteht auf einer unvoreingenommenen, wissenschaftlichen Untersuchung, weil die Überreste von Leiderduldern heilige Reliquien sind. Die in Katherinenburg (Jekaterinburg) aufgefundenen Überreste können erst dann als solche betrachtet werden, wenn auch der leiseste Zweifel an ihrer Echtheit ausgeräumt ist.

Die russische orthodoxe Kirche bittet für das leidgeprüfte ukrainische Land um das Geschenk des Friedens, da der bewaffnete Konflikt im Südosten des Landes anhält. Zu einer Zeit, da Kirchen beschlagnahmt und die Kinder der kanonischen Kirche bedrängt werden, ruft die Synode dazu auf, noch inständiger für die Bischöfe, den Klerus, das Mönchtum und die Gläubigen der ukrainischen orthodoxen Kirche zu flehen.

Tiefe Sorge bereitet die fortdauernde Gewalt gegen die Menschen des Nahen Ostens wie auch die Verfolgung der Christen, die gequält und aus ihrer Heimat vertrieben werden. Man zerstört Kirchen und entweiht Heiligtümer. So bitten wir um das friedliche Ende der kriegerischen Auseinandersetzung dort.

Allezeit hat die orthodoxe Kirche ihren Heilsdienst getan: sie verkündigt Christus, den gekreuzigten den nahen und den Fernen. Jedermann ist zu diesem Zeugnis durch Leben und Wort gerufen: Erzhirten, Klerus, Mönchsstand und Laien. Der Gott aber des Friedens, der wieder heraufgeführt hat den großen Hirten der Schafe durch das Blut des ewigen Bundes, der mache uns bereit zu einem jeden guten Werk, indem er in uns das vollbringt, was ihm wohlgefällig ist. Amen