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Weihnachtsbotschaft S.E. Erzbischof Feofan von Berlin und Deutschland

Ehrwürdige Väter, liebe Brüder und Schwestern!

Ich gratuliere Ihnen allen ganz herzlich zum lichten Fest der Geburt Christi. An diesem gesegneten und freudigen Tag frohlocken und lobpreisen Himmel und Erde, und künden, den Worten des alten Hymnendichters zufolge, den Gott vor aller Ewigkeit, der zur Errettung der Menschheit Fleisch angenommen hat und in die Welt gekommen ist.
Das Wunder der Geburt unseres Erlösers, das sich vor über zweitausend Jahren in Bethlehem zugetragen hat, blieb von seinen Zeitgenossen so gut wie unbemerkt. Lediglich die armen Hirten aus Judäa, Zeugen des Gesangs der Englischen Heerscharen wurden, und die Weisen aus dem Morgenland, die vom Weihnachtsstern geleitet wurden, priesen und rühmten Christus das Kind. Für alle anderen war das genauso eine Nacht wie jede andere. Aber nicht lange und dies Ereignis wurde zu einem der wichtigsten Feste in Ländern christlichen Kultur. Und auch heute noch gilt das Fest der Geburt Christi in einer Welt, die von vielen bereits als postchristlich bezeichnet wird, als das freudigste, das am längsten ersehnte Fest.

Die Geburt des Erlösers ist wirklich zu einem Wendepunkt in der Weltgeschichte geworden. Mit ihr endet der Alte Bund, sie wird zum Künder des Beginns einer neuen Epoche, in der das Gesetz, das wir von Moses erhalten haben, der Gnade, der Wahrheit und der Liebe weicht, die sich durch Jesus Christus über die Welt ergossen (Joh 1,17). Mit dem Kommen des Erlösers erhielten wir die Möglichkeit der Errettung, die bereits jetzt, hier auf Erden beginnt und in Ewigkeit fortdauert. Der Herr neigte die Himmel und stieg herab (Ps 17,10) und ist von nun an bis ans Ende aller Tage hier bei uns (Matth 28,20). Er ist bei uns im Leid wie in der Freude, während unseres irdischen Kämpfe wie in Augenblicken innerer Ruhe. Sogar an den Tagen, an denen unser Herz, von seinen Sünden beschwert, scheinbar verschlossen ist für das gnadenreiche Wirken des Heiligen Geistes, steht Christus neben uns und klopft an(Offb 3,20). Und uns bleibt nur noch, auf dieses Klopfen zu hören und die Türen unserer Seele zu öffnen, um Gott die Möglichkeit zu geben einzutreten und uns für das ewige Leben im himmlischen Königtum wieder aufzurichten.

Wir dürfen nie vergessen, dass die Geburt Christi nicht einfach nur ein wichtiges historisches Ereignis ist, das die Heilige Schrift festgehalten hat. Es ist eine Realität außerhalb jeder Zeit, die wir jedes Jahr aufs Neue im Gottesdienst mit der gesamten Kirche neu durchleben. Und wenn es uns gelungen ist, uns während der Fastenzeit entsprechend vorzubereiten um den Retter zu empfangen, so werden unsere Herzen in dieser lichten, geheimnisvollen Winternacht zur Krippe in Bethlehem, in die die Heilige Jungfrau das gewickelte Gott-Kind gelegt hat. 
Sich Vorbereiten bedeutet nicht unbedingt völlig frei von Sünden oder heilig zu werden. War doch auch die Krippe, die Christus empfing, vorher wahrscheinlich ein Futtertrog fürs Vieh und sicherlich nicht klinisch rein. Hier geht es eher um das Streben, Gott in unser Herz aufzunehmen, um den innigen Wunsch - im Wissen um die eigene Unwürdigkeit - in dieser heiligen Nacht zu verspüren, dass wir an Gott Anteil haben. Denn dann wird Gott, der wie Johannes der Goldmund es ausdrückt, "die Tat lobt und die Absicht ehrt", wenn Er unser Streben zu Ihm hin sieht, ebenfalls eilen um in unseren demütigen Herzen geboren zu werden, so wie Er vor über zweitausend Jahren in einem armseligen Herbergsstall geboren wurde.

Ich beglückwünsche Sie alle noch einmal zum großen Fest der Geburt Christi und zum neuen Jahr 2016. Dass doch der Herr uns auf allen unseren Wegen beschütze, uns von Bösem abwende und zu guten Absichten und Taten hinleite! Dass das freudige Licht der Geburt Christi, die wir in diesen lichten Tagen erleben, uns auch im Verlauf des ganzen Jahres begleite, damit die um uns herum, wenn sie unsere guten Taten sehen, ebenfalls unseren Himmlischen Vater preisen (Matth 5,16)!
Amen