Weihnachtsbotschaft des Erzbischofs Tychon von Rusa, Leiters des Bistums von Berlin und Deutschland, an den Klerus, die Mönche und Monialinnen und das ganze gläubige Volk

Geliebte Väter, hochverehrte Mönche und Monialinnen, liebe Brüder und Schwestern!

Herzlich gratuliere ich Euch allen zum großen Fest der Geburt Christi. „Alles ist heute mit Freude erfüllt“, singt die heilige Kirche, „Christus ist geboren in Bethlehem“. In der tiefen Stille der Nacht wurde, unbekannt und unerkannt, auf Erden geboren das Göttliche Kind, und nur die Magier und die Hirten kamen zusammen mit den Engeln, Ihm zu begegnen. „Es ward erfüllt, wonach die Vorväter strebten, was die Propheten verkündeten und die Gerechten zu sehen wünschten“ (hl. Johannes Goldmund). Gott beschloss, auf besondere Weise in die Geschichte der Menschheit einzugreifen, und durch Seine Geburt aus der Immerjungfrau wandte Er den gesamten Lauf der Geschichte.

Wenn wir versuchen, uns dem Geheimnis der Fleischwerdung Gottes zu nähern, reicht unser Blick in die Tiefe der Zeitalter hinein und sieht den Abfall des ersten Menschen von Gott, Adams, der durch Ungehorsam zu einem Sklaven der Sünde wurde. Adams Nachkommen mussten sehr bald mit Bitterkeit feststellen, dass sie das größte Gut verloren hatten. Die Geschichte der Menschheit vor dem Kommen des Erlösers in die Welt ist voll vergeblicher Versuche, den seligen Zustand der Gottesgemeinschaft wiederzuerlangen. Unfähig, die Sünde zu überwinden und etwas zu ändern, verharrte die Menschheit in geistlicher Finsternis. Nur wenige der Menschen lebten in der Hoffnung auf das Kommen des Erretters, auf die von Gott gegebene Verheißung, dass die Macht des Teufels über sie nicht ewig währen und zerstört werden würde (Gen 3,15).

Die Erfüllung der Erwartungen aller Menschen zeigte sich in der Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Vor mehr als zwanzig Jahrhunderten erklangen in der tiefen Stille der Nacht von Bethlehem die Worte des Himmelsboten, der verkündete, dass „Gott im Fleisch erschienen ist“ (1 Tim 3,16). In jener Nacht erklang zum ersten Mal der Gesang der Engel in der Welt: „Ehre Gott in den Höhen und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen“ (Lk 2,14). Vollendet haben sich die Prophezeiungen, erfüllt ist die alte Verheißung. „Der ewige Gott hat Sich herabgelassen in den Kreis der Jahre der Zeit, der Unendliche sich eingeschlossen in die Grenzen des Raumes; der dem Wesen nach Unveränderliche hat die Natur des gefallenen Adam angenommen und ist Mensch geworden, in allem uns gleich, außer der Sünde. Der Sohn Gottes ward Mensch, um Sünde und Tod zu vernichten“. Da Er niemanden fand, der Ihn im Himmel erreichen konnte, kam der Sohn Gottes, um alle auf Erden zu erreichen und vor dem ewigen Tod zu retten (Mt 1,21).

Indem wir den Herrn verherrlichen, der von den Himmeln herabgestiegen ist und Fleisch geworden vom Heiligen Geist und Maria, der Jungfrau, zu unserem Heil, „so wollen wir“, gemäß dem Wort des heiligen Bischofs Gregor des Theologen, „uns Ihm hingeben, damit wir Christus gleich werden, denn Christus ist uns gleich geworden, indem er für uns Mensch wurde“. Sich Gott hinzugeben bedeutet, so zu leben, wie der heilige Apostel Paulus: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden, und nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,19-20). Sich Gott hinzugeben bedeutet, sich als „tot für die Sünde, aber lebendig für Gott in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Röm 6,11) zu betrachten. Sich Christus hinzugeben bedeutet, nach Seinen Geboten zu leben: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der liebt mich…“ (Jo 14,21).

Noch einmal gratuliere ich Euch allen zum großen Fest der Christgeburt. Keiner von uns soll ausgeschlossen bleiben von der Freude an diesem Fest des Lebens, denn der Grund zur Freude ist allen gemeinsam. In die Welt ist Derjenige gekommen, Der kommen musste um des Heiles der Menschen willen. Christus, unser wahrer Gott, erfülle unsere Herzen mit Freude und dem Licht, das der Welt aufstrahlt aus der Höhle von Bethlehem; Er gebe uns die Kraft zur Erfüllung Seiner Gebote und mache uns würdig Seiner Liebe und des seligen Weilens mit Ihm in der gesegneten Ewigkeit.

+ TYCHON,
Erzbischof von Rusa
Leiter des Bistums von Berlin und Deutschland

Christgeburt
25. Dezember / 7. Januar 2021
Berlin